Manfred Büttner - Bad Feilnbach
Manfred Büttner - Bad Feilnbach

OVB Online v. 04.03.16
"
Ja zu neuen Wasserzählern"

. . . aber wirklich durchdacht?

 

Ohne Ausschreibung, ohne vergleichende Angebote, ohne Nennung der durchführenden Firma hat der Gemeinderat in der Sitzung des Bauauschusses am 14.02.16 mit einer Gegenstimme (meiner) beschlossen, dass in Bad Feilnbach die modernsten, teuersten und noch kaum erprobten "iPerl-Wasserzähler" der Fa. SENSUS (Link) eingeführt werden sollen. 4 x so teuer wie bisher, aber der Bürger zahlt ja! Die Erhöhung der Wassergebühren wurde in diesem Zusammenhang gleich angekündigt.

 

Beispiel für den Einbau und danach folgenden Wiederausbau der iPerl Wasserzähler: Link
 

Die neuen Zähler funken mehrmals pro Minute unaufgefordert ihre Messdaten in die Welt. Jeder Interessierte kann so mit der entsprechenden Ausrüstung (Empfangsgerät + Laptop) von der Straße aus den Wasserverbrauch (oder im Urlaub gerade den "Nichtverbrauch") abfragen. Für die, welche darin kein Problem sehen: Ein kleiner Service für Einbrecher. Täglich die Runde durch den Ort fahren und sehen, wo kein Wasser verbraucht wurde: Dort ist das Haus im Moment unbewohnt, denn Wasser verbraucht man stetig. Ausspionieren auf die einfache Art. (Link zur Auslesesoftware)
Die zugehörigen Sicherheitsrichtlinien werden durch das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) erst erarbeitet - aktuell Vers. 1.0.1 (Link).

 

Wenn im OVB nun von einer Ersparnis von 8.000.- geschrieben wird, handelt es sich um eine theoretische Ersparnis innerhalb von 15 Jahren bei einem Gesamtbetrag von ca. 310.000.-, also nur um 2% !!! Dabei wird davon ausgegangen, dass die Elektronik nicht ausfällt (Gewitter!) und die Batterien wirklich 15 Jahre halten, was sie aber in der Realität anscheinend bisher nicht tun. Zudem war die vorgelegte Kalkulation falsch, da die Kostensteigerungen über vier Jahre (2019-2022) nicht berücksichtigt wurden. Richtig berechnet ergibt sich dann nur noch eine theoretische Ersparnis von 3.578.- oder 238.-/Jahr. Ein ausfallender Zähler reicht . . .

Der Hinweis auf die angeblich guten Erfahrungen bezüglich Einführung der neuen Wasserzähler in Schliersee mag verwundern, wenn man liest, dass Schliersee erst im November 2015 die Information bezüglich Zähleraustausch an seine Bürger verschickt hat (Info Schliersee). Worauf gründet sich dann diese Expertise?

Zusätzlich kommt auf ca. 30 % der Haushalte zusammen mit dem Zähleraustausch auch der Einbau eines Wasserzählerbügels zu. Dieser Metallbügel soll mit Montage 500.- (brutto) kosten (Beispiel). Zwei Bohrungen, zwei Dübel und zwei Armaturen befestigen, bei einem - im Internet - durchschnittlichen Materialpreis zwischen 25.- und 50.- (auch in Luxus Edelstahlausführung), kann das wirklich 500.- kosten???
Aufgrund meiner Rückfrage habe ich seitens der Verwaltung die Information erhalten, dass der Preis inzwischen bei (nur noch) 250.- liege - auch zuviel!

 

Bilden Sie sich Ihre Meinung !!!

 

Neue Wasserzähler aktuell (Stand 10.03.16):

 

Nachdem ich inzwischen quer durch Deutschland mit Wasserversorgern gesprochen habe, gibt es folgendes Bild . . .

 

  • Die Fa. SENSUS hat auf der Messe „WASSER Berlin“ vom 24. bis zum 27.03.2015 den neuen iPerl-Wasserzähler erstmals vorgestellt. Langjährige Erfahrungen können demnach nicht existieren. (--> zur Pressenotiz)
     
  • Im Regelfall erproben (bzw. erprobten) die Wasserversorger die neuen elektronischien Zähler in Kleinchargen. Danach erfolgt(e) die Vorstellung vor den Entscheidungsträgern.
     
  • Die Gemeinde Schliersee hat im Frühjahr 2015 ca. 400 Zähler eingebaut und erstmals Ende 2015 per Funk abgelesen. Bisher gäbe es weder Zählerausfälle, noch Probleme bei der Funkablesung. Man sei sehr zufrieden, aber die Langzeiterfahrung fehle selbstverständlich noch.
     
  • Die Garantie des Zählers (15 Jahre) erstreckt sich nur auf den Totalausfall des Zählers. Sollte beim Stichprobentest nach 6 Jahren festgestellt werden, dass die Eichung nicht mehr stimmt, greift die Garantie nicht! Dann sind neue Zähler käuflich zu erwerben. Das wird dann teuer!
     
  • Thema Sicherheit: Jeder Zähler erhält vor seinem Einbau elektronisch eine 14-stellige Nummer und nur über diese Nummer sei er per Funk erreichbar. Also ähnlich dem Passwort eines DSL-Modems.
     
  • In Schliersee habe man die Auslesesoftware von SENSUS als zu teuer empfunden, zudem sei sie nur speziell auf SENSUS Wasserzähler zugeschnitten. Man habe sich für eine andere, günstigere Software entschieden, die variabel auch auf verschiedene Wasserzählerhersteller adaptierbar sei.
     
  • Positiv angemerkt wird, dass der Zähler wirklich kleinste Wassermengen misst.
    Rechnet man jedoch die Werksangabe von 1,6 l/h auf Tage und Jahr um, bedeutet das, dass kleine Undichtigkeiten bis zu täglich 38,4 l und jährlich  14,0 Kubikmetern nicht erkannt werden. Das ist eine Menge Wasser!

     
  • Ungeklärt ist noch die Frage der Zweitzähler oder Drittzähler für den Außenbereich (z. B. Gartenwasser).

 

Stellungnahme.pdf
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PTB-Statistik-Stichproben.pdf
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